Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt -Standort Münster-

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Inhalt: Wasserbau - damals

Vom Treidelpfad bis zur Mittelwasserregulierung

Vor dem Wasserbau kam der Fiskus

Schon zur Römerzeit bildete der Rhein eine wichtige strategische Verbindung zwischen den Stützpunkten Mainz über Köln bis nach Xanten. Die Wasserbaumaßnahmen jener Zeit beschränkten sich bis ins ausgehende Mittelalter auf den Ausbau der Uferwege als Leinpfade für die Treidelschifffahrt.
Der Rhein war in seinem unteren und mittleren Lauf einer großen Anzahl von weltlichen und geistlichen Landesherren unterstellt, die zahlreiche Zollstellen einrichteten, wo teilweise hohe Abgaben erhoben wurden. Für die Unterhaltung des Stromes und für die Verbesserung der Schifffahrtsverhältnisse wurde von den jeweiligen Landesherren fast nichts getan.
Der Strom blieb sich selbst überlassen und suchte sich nach Hochwässern häufig neue Wege. Aufgrund des alten Rechtsgrundsatzes aus dem römischen Recht, dass Anlandungen und Inseln dem Landesherren zufielen, wurde die Bildung solcher Verlandungen durch Bepflanzung mit Weiden sogar gefördert, wodurch sich die Stromwindungen verschärften. Einen Wasserbau in heutigem Sinne kannte man noch nicht.

Frühe Regulierungsmaßnahmen

Auch Preußen-Brandenburg, das ab 1614 von der Ruhrmündung bis zur holländischen Grenze beidseitiger Anlieger des Rheins wurde, beschränkte sich auf die Sicherung einzelner Bereiche gegen Abbruch.
Um 1670 wurde die Stadt Rees nach verheerenden Hochwässern von Unterspülung bedroht. Um die Stadt zu retten ließ der Große Kurfürst einen Durchstich einer großen Fluss-Schleife ausführen, wonach der Hauptstrom einen neuen verkürzten Lauf nahm.
Unter Friedrich dem Großen wurden bekanntlich viele und umfangreiche Wasserbaumaßnahmen durchgeführt. Am Niederrhein sorgte der von ihm eingesetzte Ingenieurhauptmann Bilgen dafür, dass die vielen Stromspaltungen durch einen Anschluss der Inseln an das Ufer beseitigt wurden und so die Spülkraft des Stromes in nur noch einer Flussrinne wirkte. Unter Bilgen wurden erstmalig Streichlinien festgelegt, bis zu denen die sog. Kribben, auch ausstehende Werke genannt, reichten. Er verbesserte die Bauart dieser Kribben, indem er die Strauch- und Faschinenlagen mit Steinen beschwerte und ihnen eine breitere, bühnenartige Form gab - sie wurden in der Folge als Buhnen bezeichnet. Bilgens Nachfolger, der Oberdeichinspektor Bach, ließ anstelle der bis dahin stromab gerichteten Buhnen nunmehr die etwas stromauf gerichteten Buhnen bauen, eine Bauweise, die noch heute gebräuchlich ist. Diese Strombaumaßnahmen endeten mit den Kampfhandlungen am Ende des 18. Jahrhunderts und wurden erst nach den Siegen über Napoleon wieder aufgenommen.
Die 7 neuen Rheinuferstaaten Baden, Bayern, Frankreich, Hessen, Nassau, die Niederlande und Preußen, denen 1815 auf dem Wiener Kongress die Sorge für die Verbesserung der Schifffahrtsverhältnisse zur Pflicht gemacht wurde, mussten vielfach von neuem anfangen, denn in der Kriegszeit von 1794 bis 1815 verschwanden die aus leichtem Faschinenpackwerk bestehenden Strombauwerke nahezu vollständig.

Stauregulierung und Kanalbau am Oberrhein

Nach Plänen von Johann-Gottfried Tulla wurde ab 1816 die sog. Korrektion des Oberrheines durchgeführt. Um die ständigen Überschwemmungen, Laufverlegungen und Uferabbrüche zu verhindern, wurden zahlreiche Durchstiche angelegt, der Rhein wurde "gerade gelegt". Die mittleren Hochwässer konnten danach ohne Ausuferung abgeführt werden, es zeigten sich aber auch bald schon Absenkungen der Sohle.
Im Restrhein verblieben nur noch geringe Abflüsse und die Grundwasserstände sanken stark ab. Deshalb wurde bei Breisach ein Kulturwehr angelegt und für die verbleibende Strecke unterhalb von Breisach bis Straßburg wurde nicht mehr der Rheinseitenkanal gebaut, sondern eine Stauregelung in Form der Schlingenlösung vorgenommen. In den Jahren 1969 bis 1977 wurden die beiden Staustufen Gambsheim und Iffezheim gebaut. Seit jener Zeit wird dem Strom unterhalb von Iffezheim Geschiebe zugegeben. Im Mittel werden jährlich rd. 170 000 m³ Kies teppichförmig auf einer fast 800 m langen Strecke auf die Sohle verklappt. Mit diesem Vorgehen konnte und kann die Erosion unterhalb der letzten Staustufe Iffezheim erfolgreich kompensiert werden.
Um die Wasserkraft auszunutzen und die Schifffahrt über Mannheim hinaus bis nach Basel zu ermöglichen, wurde auf Veranlassung Frankreichs nach dem 1. Weltkrieg mit dem Bau des Rheinseitenkanals von Basel bis zunächst Breisach begonnen.

Mittelwasserregulierung am Niederrhein

Im preußischen Bereich des Rheins, also unterhalb von Bingen bis zur niederländischen Grenze wurden ab 1816 die Wasserbauarbeiten einheitlich geplant und durchgeführt. Das Streben der neuen Behörden war darauf gerichtet, die fortschreitende Verwilderung des schiffbaren Strombettes zu verhindern und die bestehenden, aber zu seichten Schifffahrtsrinnen durch Regulierungsmaßnahmen besser schiffbar zu machen. Mit Erfolg, denn im Jahre 1861 kamen die Kommissare der Zentralkommission zu dem Ergebnis, dass für die preußische Rheinstrecke bei mittlerem Niedrigwasser folgende Tiefen des Fahrwassers für erforderlich und erreichbar erachtet wurden,

Die Fahrwasserbreiten sollten bei Bingen mit 90 Metern beginnen und mit der Abnahme des Gefälles auf 150 m zunehmen.
Inzwischen war die Treidelschifffahrt durch die Dampfschifffahrt verdrängt worden und die Spülwirkung des Stromes wurde durch Dampfbagger kräftig unterstützt.
1879 legte die Regierung Preußens dem Landtag eine Denkschrift über die Regulierung der preußischen Ströme Weichsel, Oder, Elbe, Weser und Rhein vor; für den Rhein wurden die bereits 1861 gesetzten Ziele für die Fahrwassertiefen und -breiten bestätigt.
Dieses Konzept der Regulierung mit Buhnen und Deck- bzw. Parallelwerken gilt als Mittelwasserregulierung bis in die heutige Zeit.

Mit den geschilderten Arbeiten war die große Rheinregulierung abgeschlossen, man hatte sich ausgerichtet am Wasserdargebot und der Topographie, man verfolgte regional einheitliche Ausbau- und Unterhaltungsgrundsätze, man bot der Schifffahrt die erforderliche Tiefe und Breite und erzielte damit eine durchgängige Nutzbarkeit.
Gleichzeitig wurde das gesamte Deichnetz zwischen Köln und der niederländischen Grenze ausgebaut.